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Quitte

Quitte – die vergessene Frucht

Wer kennt sie nicht, die zitronengelbe Knolle und die daraus hergestellten Delikatessen wie der besonders bekannte Quittengelee oder das Quittenbrot, für welches man eingekochtes Quittenmus verwendet. Quittenwein, -likör, -latwerge oder -brand sind weitere Kreationen aus dieser Frucht.

Die Gerbsäure und die harte Konsistenz machen allerdings die rohe Quitte (Cydonia oblonga) unverträglich, deswegen sind nur die daraus gewonnenen Zubereitungen geniessbar. Die Quitte enthält nicht nur Gerbstoffe, sondern auch wertvolle Mineralien wie Kalium, Kalzium und Eisen.

In den letzten Jahren sind die verschiedenen Anwendungen in der Volksheilkunde leider immer mehr in Vergessenheit geraten. Getrocknete Quittenstücke, Samen, Blätter oder der samtige Überzug der Schale – all dies wurde als Vorrat angelegt. Ich kann mich noch gut an die Quittensamen erinnern, welche mein Vater in der Drogerie gelagert hatte. Legt man diese kleinen Samen über Nacht in kaltes Wasser ein, bildet sich ein gallertiger Schleim, der unter anderem Pektin enthält und sehr heilwirksam ist. In alten Rezepten wird anstelle des gewöhnlichen Wassers Rosenwasser (wässriges Destillat) verwendet. Der einhüllende und kühlende Effekt hilft vor allem bei Augenentzündungen. Dazu eine Gazen-Kompresse mit Quittenschleim bestreichen und sie während ein bis zwei Stunden auf die Augen legen. Diese Zubereitung kann vorher auch gekühlt werden, dann ist die Anwendung besonders angenehm.

Getrocknete Quittenstücke eignen sich sehr gut, um Halsentzündungen oder Zahnfleischaffektionen zu behandeln. Dazu die Stücke in kaltes Wasser einlegen und anschliessend den Schleim ausdrücken. Mit Wasser vermischt kann diese Zubereitung gegurgelt oder zur Beruhigung einer Magenschleimhautentzündung auch getrunken werden. Um das Ausbleiben der Menstruation zu korrigieren, kocht man Quittenstücke in Rotwein, lässt sie abkühlen und trinkt morgens und abends ein kleines Gläschen davon. Es empfiehlt sich, die Quittenstücke im Wein zu belassen, damit sich die Wirkstoffe gut auflösen. Der filzige Überzug der Schale wird ebenfalls gewonnen und dient zur Blutstillung bei kleinen Wunden. Besonders bei schlecht heilenden Wunden verwendet man die Blätter der Pflanze: kurz in Wasser kochen und noch warm auf die Wunde legen.

Da die Quitte in Geschäften nur vereinzelt angeboten wird, ist es gar nicht einfach, diese Frucht mit ihren wertvollen Bestandteilen zu bekommen. Bestenfalls kennt man jemanden, der einen Quittenbaum besitzt. Der Anbau ist ohne Spritzmittel gut möglich, da der Schädlingsbefall kaum ins Gewicht fällt. Sobald die Quitten im Spätherbst gut ausgereift sind, können sie verarbeitet werden. Die getrockneten Pflanzenteile lagert man am besten in nicht ganz luftdicht verschlossenen Gefässen ein.